Risikomanagement in IT-Projekten entscheidet über Erfolg oder Scheitern. Im besten Fall verzögert sich der GoLive, im schlimmsten Fall gefährdet mangelhaftes Risikomanagement die Geschäftskontinuität. Obwohl jeder erfahrene Projektmanager diese Gefahr kennt, läuft das Risikomanagement meist nur nebenher. Das PEPT-Framework und unser 5-Phasen-Ansatz zeigen, wie Sie Risiken systematisch identifizieren, bewerten und mitigieren.

Risikomanagement IT-Projekte - IN3 Group Workshop zur Risikoidentifizierung

Risikomanagement IT-Projekte: Kein Kunststück

Aus der Theorie weiß jeder Projektmanager, dass Projekte nur mit adäquatem Risikomanagement erfolgreich abschließen. Denn Schieflagen entstehen in der Regel aus bekannten, beeinflussbaren Parametern – daher lassen sie sich vorhersehen. In der Praxis vernachlässigen Teams jedoch das Management risiko-mitigierender Maßnahmen oder führen es gar nicht aus. Dabei erfordert Risikomanagement keine unlösbare Aufgabe, sondern lediglich konsequente Umsetzung.

Risiken kategorisieren: Das PEPT-Framework

Um sicherzustellen, dass alle Risiken identifiziert werden, empfehle ich eine Einteilung in Kategorien. Wir nutzen dafür das bewährte PEPT-Framework, das folgende Dimensionen erfasst:

  • People: u.a. Kompetenzen, Kapazitäten, Arbeitsbelastung, Skalierbarkeit, Change Management
  • Environment: u.a. Parallelprojekte und –initiativen, interne und externe Regulatorik
  • Processes: u.a. Prozess-Vollständigkeit, Prozess-Korrektheit, Durchgängigkeit, Prozess-Reife, Dokumentation, Schulung, Testing
  • Technologies: u.a. System-Verfügbarkeit und -Performance, Connectivity, Autorisierung, Schnittstellen, User

Risikomanagement in 5 Phasen umsetzen

Ein sinnvolles Risikomanagement lässt sich in der Regel in fünf aufeinanderfolgende Phasen einteilen. Ich empfehle Schritt 1-3 im Rahmen eines Workshops durchzuführen – am besten mit einem außenstehenden Trusted Advisor, der eine neutrale Perspektive einnimmt.

1) Risikoidentifizierung

Die Stakeholder aller involvierten Bereiche sammeln die ihnen bekannten Risiken. Eine Comprehensive Risk Assembly stellt sicher, dass kein Aspekt vergessen wird. Wichtig: Jedes noch so kleine Risiko sollte erfasst werden. Eine Bewertung erfolgt erst im nächsten Schritt.

2) Risikoqualifizierung

Welches Gefahrenpotenzial weisen die identifizierten Risiken auf? Und mit welcher Wahrscheinlichkeit treten sie auf? Darum geht es in dieser Phase. Anhand einer Risikomatrix (z.B. 5×5) erfolgt dann eine Qualifizierung.

Risikomatrix 5x5 für IT-Projekte - Eintrittswahrscheinlichkeit und Gefahrenpotenzial bewerten

3) Definition mitigierender Maßnahmen

Einige Risiken lassen sich vermeiden, andere nicht. In der dritten Phase des Risikomanagements werden jedem erkannten Risiko mitigierende Maßnahmen zugeordnet und Risk Owner bestimmt, die sicherstellen, dass Risiken wirkungsvoll eingedämmt werden oder gar nicht erst entstehen.

4) Aufnahme der Maßnahmen in den regulären Projektplan (!)

In dieser Phase werden die Maßnahmen in den regulären Projektplan integriert, Risiko-mitigierende Maßnahmen sind in aller Regel nicht kostenlos: Sie benötigen Ressourcen und Budget. Nur mit der Aufnahme in die Projektplanung kann sichergestellt werden, dass z.B. zeitliche oder kapazitative Restriktionen und Abhängigkeiten sauber gemanaged werden und alle Teammitglieder informiert sind. Die kontinuierliche Überwachung der Maßnahmen stellt sicher, dass sie effektiv umgesetzt und bei Bedarf angepasst werden.

5) Regelmäßige Reviews

Der letzte Schritt ist meiner Meinung nach der Wichtigste und leider der am meisten Vernachlässigte. Eintrittswahrscheinlichkeit und Schweregrad der Risken ändern sich kontinuierlich! Daher gilt: Nur wer regelmäßig Reviews und Neubewertungen von Risiken und Maßnahmen durchführt betreibt effektives Risikomanagement! Und noch vielmehr: Wir freuen uns, wenn im Verlauf eines Projektes gewisse Risiken gemanagt werden oder wegfallen. Realistischerweise kommen im Projektverlauf aber neue hinzu oder werden neu erkannt. Die gilt es natürlich in den Reviews zu identifizieren.

Risikomanagement IT-Projekte: Must-have statt Nice-to-have

… sondern ein absolutes Must-have für jedes IT-Projekt. Ich gehe sogar so weit zu sagen: für jedes unternehmensrelevante Projekt. Es stellt sicher, dass alle internen und externen Anforderungen eingehalten werden, wappnet das Projektteam für unvorhergesehene Ereignisse und deren Auswirkungen und ermöglicht fundierte und effektive Entscheidungen.

Und glauben Sie mir: Noch nie hat ein Kunde zu viel Zeit für Risikomanagement aufgewendet. Ganz im Gegenteil.

Sie möchten Risikomanagement in Ihrem IT-Projekt systematisch aufsetzen? Als Trusted Advisor begleiten wir Ihre Risikoidentifizierung und Workshop-Moderation – neutral und ergebnisorientiert.

Der Autor

Andreas Holtschulte

Andreas Holtschulte ist seit über 20 Jahren in der SAP-Beratung tätig und unterstützt Unternehmen als unabhängiger Partner bei ihrer digitalen Transformation.
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