Die Automatisierung im Lager ist längst keine Zukunftsvision mehr – sie ist Voraussetzung für Unternehmen, die in der Industrie wettbewerbsfähig bleiben wollen. Eine zentrale Rolle spielen dabei fahrerlose Transportsysteme (FTS). Doch wie arbeiten diese Systeme, welche Technik steckt dahinter, und welche Vor- und Nachteile bringen sie mit sich?

Aufbau und Automatisierung von fahrerlosen Transportfahrzeugen
Fahrerlose Transportsysteme (englisch: Automated Guided Vehicle System, kurz AGVS) sind umfassende Lösungen, die den gesamten Materialfluss innerhalb eines Lagers oder einer Produktion automatisieren. Der Aufbau besteht aus mehreren Komponenten:
Leitsteuerung: Die zentrale Software, die alle Fahrzeuge koordiniert, Aufgaben priorisiert und Transportwege in Echtzeit optimiert.
Fahrerlose Transportfahrzeuge (FTF): Die autonomen Fahrzeuge (englisch: Automated Guided Vehicle, AGV), die konkrete Transportaufgaben übernehmen. Die Standortbestimmung erfolgt in der Regel über Lasernavigation, Rasternavigation oder RFID.
Infrastruktur: Ladestationen für die automatische Ladung der Batterie, Sensoren und Kommunikationsnetzwerke.
Das fahrerlosen Transportsystem koordiniert die Fahrzeuge und sorgt dafür, dass sie effizient und fehlerfrei arbeiten. Die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG definiert dabei die Sicherheitsanforderungen. Im Bereich der mobilen Robotik gewinnen auch autonome mobile Roboter zunehmend an Bedeutung – sie navigieren ohne feste Pfade und bieten mehr Flexibilität.
Die Vorteile von FTS
Konstante Verfügbarkeit: FTS arbeiten rund um die Uhr, ohne Pausen oder Ermüdung. Selbst bei kurzen Standzeiten lädt sich die Batterie automatisch auf. Das System läuft in dieser Form kontinuierlich.
Fehlerfreiheit und Qualität: Fahrerlose Transportsysteme eliminieren Fehler durch menschliches Versagen. Dank präziser Navigation werden Transportschäden und Fehllieferungen nahezu ausgeschlossen.
Flexibilität und Optimierung: Moderne FTS reagieren dynamisch auf veränderte Anforderungen. Die Leitsteuerung passt Transportwege und Prioritäten in Echtzeit an, echte Optimierung im laufenden Betrieb.
Sicherheit und Arbeitsentlastung: Die präzise Sensorik reduziert Unfallrisiken erheblich. Mitarbeiter werden entlastet und können sich auf wertschöpfende Tätigkeiten konzentrieren. Die Produktivität steigt.
Transparenz und Nachverfolgbarkeit: Jeder Transport wird dokumentiert. Das schafft Transparenz über den gesamten Materialfluss, eine wichtige Grundlage für Prozessverbesserungen.
Die Herausforderungen von FTS
Hohe Initialkosten: Die Implementierung ist mit erheblichen Investitionen verbunden. Neben der Anschaffung fallen Kosten für Infrastruktur, Integration und Schulung an. Das Risiko einer Fehlinvestition sollte durch sorgfältige Planung minimiert werden.
Technologische Integration: Nicht jedes Lager ist „FTS-ready“. Oft sind Anpassungen nötig, damit das System mit dem bestehenden Lagerverwaltungssystem (z.B. SAP EWM) kommuniziert. Die Automatisierung muss zur bestehenden Infrastruktur passen.
Wartung und Abhängigkeit: FTF und Leitsteuerung benötigen regelmäßige Wartung und Software-Updates. Ohne internes IT-Team sind Unternehmen auf externe Hilfe angewiesen.
Datenabhängigkeit: FTS benötigen präzise Daten. Fehlerhafte Stammdaten behindern den Materialfluss. Die Datenqualität ist entscheidend für den Erfolg.

Wann lohnen sich FTS?
FTS eignen sich besonders für große Lagerstrukturen mit hohem Transportvolumen und klar definierten Prozessen. Hier können sie ihre Stärken – wie Effizienz, Genauigkeit und Verfügbarkeit – voll ausspielen.
Für kleinere Lager mit weniger standardisierten Abläufen oder variablen Anforderungen sind hybride Lösungen oder manuelle Systeme häufig flexibler und wirtschaftlicher. Unsere Experten beraten Sie bei der Analyse Ihrer Lagerstruktur, kontaktieren Sie uns für eine unverbindliche Erstberatung.
Wirtschaftlichkeitsanalyse: Eine fundierte Entscheidung treffen
Die Entscheidung für ein FTS sollte auf einer gründlichen Analyse der Kosten und Nutzen basieren. Wichtige Faktoren dabei sind:
- Investitionskosten:
Kosten für die Anschaffung der FTF, Installation der Steuerungssoftware und Anpassung der Infrastruktur.
- Betriebskosten:
Laufende Ausgaben für Wartung, Reparaturen, Softwarepflege und Energie.
- Einsparungen:
Reduzierte Personalkosten, geringere Unfallkosten und Effizienzgewinne durch optimierte Prozesse.
- Amortisationszeit:
Der Zeitraum, bis sich die Investitionskosten durch den Ertrag ausgeglichen haben.
- Prozess- und Betriebseffekte:
Verbesserungen in Geschwindigkeit, Kapazität und Zuverlässigkeit.
Zukunftsperspektiven
Die Technologie hinter FTS entwickelt sich rasant. Fortschritte wie die Integration mit dem Internet of Things (IoT), selbstlernende Algorithmen und innovative Navigationslösungen könnten die Systeme in Zukunft noch effizienter machen. Gleichzeitig werden sie immer intuitiver und einfacher zu bedienen, was den Schulungsaufwand für Mitarbeiter reduziert.



